Die Fassade tanzt

Showroom Kiefer Technic Office, Graz/A

Der neue Show-Room der Kiefer Technik in Bad Gleichenberg liegt direkt an der Ortseinfahrt. Architekt Ernst Giselbrecht plante den feinen Zubau. Seine bewegliche Fassade ist eine Innovation und ein absoluter Hingucker. Ihre 112 weißen, perforierten Aluminiumpaneele lassen sich einzeln ansteuern, kommunizieren nach innen und außen und sehen immer anders aus.

Präzision ist das Markenzeichen der Kiefer Technic, die auf die Produktion hochwertiger Edelstahl-Einrichtungen, Operationstüren und Funktionsmöbel im klinisch-pharmazeutischen Bereich spezialisiert ist. Die Firma liegt im steirischen Bad Gleichenberg und ist ein gewachsenes Konglomerat aus reinen Zweckbauten. Nur die schmale Südwestflanke, die beim Ortsschild an der Zufahrt steht, wurde mit einer Wand aus weißen Aluminiumkassetten aufgeputzt.

Dieses Element nahm Architekt Ernst Giselbrecht auf, um daraus eine innovative, zweischalige Hightech-Fassade für den neuen, freigeformten Showroom zu entwickeln, der hier an einer schmalen Bürospange am Bestand andockt und sofort alle Blicke auf sich zieht. Ein leichter Metallsteg führt ins zweigeschossige Foyer. Zwischen zarten Säulen stehen die Produkte frei im Raum, der in sachtem Bogen von einer transparenten Stahl-Glasfassade im Südwesten gefasst wird. Wie ein Schirm zieht sich davor ein 7,75 m hohes, weißes Stützenskelett mit 112 perforierten Aluminiumpaneelen im selben Format um das linsenförmige Schaufenster, das nach innen und außen wirkt.


Interaktion und Dynamik

Diese Fassade ist beweglich: Ihre Elemente sind mit Edelstahlschwertern auf einem Gleitstein fixiert, der in senkrechten Führungsschienen an den Stützen auf und ab gefahren werden kann. Er wird von einem Motor betrieben, der langsam startet und hält, damit sich die Paneele auch harmonisch fließend bewegen. Jedes lässt sich per BUS/SPS-System einzeln ansteuern, in beliebiger Neigung ausklappen oder einfalten. So bilden sie eine dynamisches, dreidimensionales Faltwerk und eine Gebäudehülle neuen Typs, mit der man nicht nur Sonneneinfall, Lichtstimmung und Ausblick im Inneren regeln, sondern auch nach außen kommunizieren kann.

In dieser vorgeschalteten, lichtdurchlässigen Aluminiumhaut, die zwischen den Extremen totaler Transparenz über zwei Geschosse und 28,75 Laufmeter bis zum geschlossenen Schuppenpanzer wie ein Chamäleon viele Gestalten annehmen kann, zeigt sich der Anspruch an Perfektion ganz unmittelbar. Denn sie ist ein Referenzobjekt, das mit der Firma Kiefer Technic in Bad Gleichenberg in Österreich entwickelt und vor Ort gefertigt wurde.

„Flexible Grundrisse und neue Technologien ermöglichten die Nurglasfronten. Das Problem von Sichtschutz und Beschattung aber blieb: Daher haben wir begonnen, über dynamische Fassaden nachzudenken“, so Architekt Giselbrecht, der seit Jahren in vielen Bauten mehrschalige Fassaden mit manuell oder elektronisch flexibel verstellbaren Beschattungselementen austestet.


Multifunktionales Gestaltungsinstrument

Zwei Jahre Entwicklungszeit stecken im optimierten Prototyp der Kiefer Technik, in Bad Gleichenberg gibt es Windgeschwindigkeiten von über 100 km/h. „Außenjalousien kamen nicht in Frage. Die Paneele sind auch Sonnen-, Regen- und Windschutz für das Isolierglas. Wir legten großen Wert auf Sicherheit und Benutzerfreundlichkeit: jeder Flügel ist per Touch-Screen bedienbar“, so Giselbrecht. Der Luftraum mit den Wartungsstegen zwischen den zwei Schichten funktioniert nach dem Kastenfenster-Prinzip auch als Klimapuffer. Unter dem gläsernen Vordach, das wie ein Kranz über die Fassade ragt, kann heiße Luft entweichen. In Schrägstellung werden die Paneele zu Vordächern, spenden Schatten, blenden die UV-Strahlung weg und schaffen so im Showroom optimale Verhältnisse.

„Die Fassaden der Zukunft sind nicht mehr stereotyp. Sie verändern sich und erzählen Geschichten. Es geht nicht um Mauer, Loch und Fenster, sondern um vertikale Bühnen. Sie können introvertiert wie ein geschlossenes Volumen oder plastisch wie ein geöffnetes Auge wirken“, sagt Giselbrecht. „Diese Fassade ist ein ästhetisches Gestaltungsinstrument, das täglich ein anderes Bild erzeugt und sich amortisiert, weil es viele Funktionen einwandfrei erfüllt.“ Ihren gro­ßen Auftritt hatte die Fassade bei der Eröffnung: da brachte sie eine ausgetüftelte Programmierung zum Tanzen. 


Legende Detail
1Einfassung Sonnenschutzfassade
2Sonnenschutz Klapppaneele, Edelstahl
3L-Winkel für Klappelement, vertikal
4Alublechkassette
5Attikaüberdachung
6Fixverglasung, emailliert
7Deckschale, U-Profil
8Gitterost, Edelstahl
9Schwertkonsole
10 Senkklapppflügel, elektomotorisch
11 Türelement, Pfosten-/ Riegelkonstruktion
12 Abluftkanal mit Abdeckgitter, durchlaufend
13 Bodenkonvektor, durchlaufend
14 Stahlwinkel
15 Flachdachaufbau:
Rundkies
Abdichtung
Gefälledämmplatten
Dampfsperre
Stahlbetondecke
abgehängte GKB-Decke
16 Geschossdeckenaufbau:
Klebeparkett
Schwimmender Zement-Heizestrich
PAE- Folie
Trittschalldämmung
PAE- Folie
Ausgleichsplitt, zementgebunden
Stahlbetondecke
abgehängte GKB-Decke
17 Fußbodenaufbau:
Klebeparkett
Schwimmender Zement-Heizestrich
PAE- Folie
Trittschalldämmung
Polyrethan Hartschaumdämmung
Ausgleichsplitt, zementgebunden
bitume Feuchtigkeitsabdichtung
Stahlbetonplatte
Rollierung


Baudaten

Objekt: Showroom Kiefer Technic

Standort: A-8344 Bad Gleichenberg, Steiermark

Bauherr: Harald Kiefer Metallbau GmbH


Nutzer

Bauzeit: Herbst 2005 bis Sommer 2007

Architekt: Ernst Giselbrecht + Partner ZT GmbH, A-8010 Graz

Mitarbeiter: DI Peter Fürnschuss


Fachplaner

Tragwerksplanung: CMB GmbH, Feldbach

TGA: Planungsbüro Greile, Althofen

Fassadenbau: Kiefer Metallbau GmbH, Bad Gleichenberg

Rohbau: Ziegelmassivwände, Stahlbetondecken, entlang der Fassade betonverfüllte Stahlsäulen

Fassaden: Alu-Pfosten-Riegel-Fassade mit vorgelagerten Putzstegen bzw. WDVS-Fassade, weiß geputzt

Sonnenschutz: Alu-Lochblech-Klappläden, elektrisch betrieben


Projektdaten

Nettogeschossfläche m²: 420 m²

Brutto-Geschossfläche BGF m²: 545 m²

Brutto-Rauminhalt BRI m³: 4270 m³