Beton und Holz für geformten Stein Steinskulpturenmuseum in Bad Münster am Stein von Tadao Ando

Kaum eröffnet, schon geschlossen. Das Stein­skulpturenmuseum in Bad Münster am Stein, 50 Kilometer südwestlich von Mainz in wunderbar offener Agrarlandschaft gelegen, ist jetzt schon kein Geheimtipp mehr, aller Entlegenheit zum Trotz. Denn der Architekt, der sich den Museumsbau auf dem Papier ausgedacht hat, ist kein gerin­gerer als der Japaner Tadao Ando.

Wieder einmal scheint es so zu sein, dass das Wunder in der Provinz von besonderer Attraktion ist. So wie schon bei einem anderen großen Handwerker unter den Architek­ten erlebt, bei Peter Zumthor. Der baute irgendwo in der kargen eifler Landschaft eine andere Kapelle; und wie bei Ando konnte der Schweizer allein durch die Gleichzeitigkeit unterschiedlichster Querbezüge für den Bau gewonnen werden. Bei dem Bauherrenpaar Wolfgang und Anna Kubach war es ein Fauxpas: in einem Akt wider alle fernöstlichen Regeln, hatte der Bildhauer Kubach einen Stein vom Atelierboden genommen und ihn mit Nachdruck auf den Besprechungstisch Andos geknallt; der gelernte Boxer sagte zu.

Erste Zeichnungen zeigen die Hofanlage zeigen das Museum als einen Monolithen aus Beton. Zu teuer, der Pritzkerpreisträger von 1995 legte nach. Ando kombinierte den Beton mit einem historischen Fachwerk aus einem Nachbarort; das sorgfältig abgebaute Skelett einer regionaltypischen Scheune aus dem 18. Jahrhundert. Das stellte Ando auf ein erstes Geschoss aus Beton, wobei er allerdings alle Aussteifungen entfernte, die Sparren samt Dachlattung erneuerte beziehungsweise über die Kehlbalkenhöhe zum First hinausführte und die Giebel komplett verglaste. Die hinter die Holzkonstruktion gesetzte Verglasung in massiven Stahlrahmen übernimmt jetzt die Aussteifung.

Mit der Reduktion der Scheune auf ihr deckendes Kleid und ihr – zumindest an den Giebelseiten – leichtfüßiges Schweben über dem Samtbetonsockel darunter, entfernt sich der Meister zwar von jedem Regionalismus, andererseits ist die tiefe Setzung des schiefer­gedeckten Aufbaus in den Hügelrücken hinein so gewählt, dass der Beton aus der Ferne unsichtbar bleibt, das Museum eine frisch gemachte Scheune der Region sein könnte.

„Sein könnte“, wären nicht die klar geschnittenen Linien der den Bau umschließenden Hofmauern schon von Weitem her auszumachen. Die Betonmauern fassen zwei Gärten und das Museum ein. Teils von Öffnungen durchbrochen, schließen sie jedoch sehr nachdrücklich den Außenraum aus, konzentrieren die Blicke und jede Bewegung in kontemplativer Weise auf sich selbst. Sechs Konen je Schaleinheit im Ando-typischen Tatami-Maß (90 x 180 cm) kennzeichnen die Betonarbeit, es geht über Treppen und um Ecken herum und schließ­lich in das Museum hinein. Hier wird – ein paar Meter unter dem umliegenden Bodenniveau – das Prinzip Tageslichtmuseum durch ein paar in das Gebälk eingelassene LED-Streifen gebrochen.

Wer hinaufsteigt betritt gleichsam den Dachboden mit seinen giebelseitigen Weit­ausblicken. Von den hier ausgestellten Arbeiten schweift der Blick schnell ab und wandert hinaus über Wasserflächen und Betonmauern auf die umgebende Landschaft; nach vorne auf das Felsmassiv des Rotensteins, aus welchem die Zuschlagsstoffe für den Beton des Museumsneubaus gewonnen wurden.

Noch kann man die Arbeiten Tadao Andos in Deutschland bequem an einer Hand abzählen (Kunststiftung Langen Foundation bei Neuss, 2004), Konferenzpavillon in Weil am Rhein (1993)). Sie alle haben, inklusive des jüngsten Projektes, die herausragende Qualität, die auch in Deutschland den einen oder anderen dazu verleitetet, dieses Level ebenfalls zu erreichen. Geschafft hat das bis heute allerdings in dieser souveränen und der konzentrierten, ein Gesamtwerk bildenden Weise noch keiner. Be. K.

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