Baumhaus mit Aussicht

Yellow Treehouse Restaurant, Auckland / NZ

Wer hat als Kind nicht von einem Baumhaus geträumt? Manchen von uns hat der Vater eins gebaut, manche tragen diese Sehnsucht immer noch in sich. Peter Eising, Chef von Pacific Environment Architects, hat die Chance bekommen, seine Kindheitsträume zu realisieren.

Die Idee für das Baumhaus kam, wie kann es anders sein, vom Fernsehen. Als ungewöhnlicher Werbegag für einen TV-Spot gedacht, bekam Peter Eising den Auftrag, ein Restaurant in luftiger Höhe zu bauen. Initiator des Ganzen war Yellow, ein Branchenbuch, gleichzusetzen mit den deutschen „Gelben Seiten“. Einzige Vorgabe für den Entwurf: Das Projekt musste ausschließlich mit Firmen aus dem gel­ben Verzeichnis auf die Beine gestellt werden. Alles andere, also das Design und das Finden des geeigneten Baumes, lag in den Händen der Architekten. „Der Auftrag war ideal für einen Architekten, da er sehr offen gehalten war in den Fragen, wo und wie das Baumhaus gebaut werden sollte. Es wurde mir und meinem Team überlassen, ein geeignetes Grundstück zu finden und ein Baumhaus zu entwerfen, das seine Umgebung reflektiert“, so Peter Eising. So gestattete sich der Architekt eine Zeitreise in die eigene Kindheit und ließ sich von der Natur inspirieren. Die Form assoziiert einen Schmetterlingskokon, der sich an den Baumstamm schmiegt. Ziel war es, eine möglichst natürliche, organische Form zu finden, die nicht als Fremdkörper im Wald wahrgenommen wird, sondern den Eindruck erweckt, als sei sie „gewachsen“.


Ort und Baum

Die funktionalen Anforderungen an das Grundstück und den Baum waren zahlreich. Selbstverständlich musste es eine attraktive Lage sein, mit guter Ausrichtung zur Sonne. Die Wahl fiel auf einen Redwood-Baum am Rand eines Waldes, von dem aus man einen Blick über eine Wiesenlandschaft mit Bach hat. Wie gemacht fürs TV.

Der Baum musste die statischen Anforderungen für 18 sitzende Gäste plus Servicepersonal erfüllen. Nicht zu vergessen, darüber hinaus einem Filmteam mit Ausrüstung Stand halten. Der 1,70 m dicke Stamm des ca. 40 Jahre alten Baumes versprach beste Voraussetzungen, auch nach Expertenmeinung, denn bei der Auswahl des richtigen Gehölzes half ein Baumspezialist. Ein 60 m langer Holzsteg schlängelt sich durch den Wald bis auf 10 m Höhe hinauf zum Restaurant und ist schon an sich ein Erlebnis.


Form und Konstruktion

Das Baumhaus ist im Grundriss ein Oval, das sich um den Baumstamm windet. Der Kokon misst ca. 10 m im Durchmesser und hat eine Höhe von 12 m. Es gibt eine obere und eine untere Ebene, gegenüber vom Eingang gibt es einen Aussichtspunkt, von dem aus man einen Blick auf das idyllische Landschaftspanorama genießt. Vier Stahlkränze verbinden die Holzrahmenkonstruktion mit dem Stamm. Die Plattform wird auf den unteren Rahmen aufgelegt, die gebogenen Binder aus Pinien-Brettschichtholz werden oben und unten angeschlossen. Das Holz zweier abgestorbener Redwood-Bäume, die sich auf dem Grundstück befanden, wurde für den Zuweg genutzt. Der Eingriff in die Natur sollte möglichst gering ausfallen. Die Freiräume zwischen den Lamellen gewähren Licht und Ausblick trotz der schützenden Hülle. Bei der Planung der Konstruktion wurden Tragwerks- und Brandschutzingenieure mit einbezogen, so dass Peter Eising sich dafür verbürgt, dass das Baumhaus absolut sicher ist: „Wir haben sogar getestet, ob der Baum starken Windbelastungen Stand hält, indem wir einen mit einem Seil am Baum befestigten Bulldozer haben ziehen lassen.“


Funktion

Gebaut für einen Werbespot, erfüllt das Treehouse-Restaurant gegenwärtig auch seinen namentlichen Zweck. Die Küche und die weiteren Serviceeinrichtungen befinden sich dafür auf dem Erdboden. Regensicherheit gewährt eine Acrylfolie, die am Dachpunkt befestigt ist und hinter den Rippen verläuft. Die Atmosphäre dieser Erlebnisgastronomie wird, neben der direkten Naturverbundenheit, zu einem großen Teil durch die Beleuchtung bestimmt. In der Dunkelheit scheint der Kokon wie eine Laterne zwischen den Bäumen, der Weg dorthin ist diskret beleuchtet und erzeugt eine unwirkliche, phantastische Impression.

500 Reservierungen lagen kurz nach der Eröffnung vor, und wer diesen Text aufmerksam gelesen hat, wird sich daran erinnern, dass es nur 18 Sitzplätze im Restaurant gibt. Eine lange Wartezeit, die man berücksichtigen muss, allerdings erwartet so manch einen dann die Erfüllung seines Kindheitstraums vom Haus in den Bäumen. SG