Baukultur in Deutschland Bundesweiter Wettbewerb der Wüstenrot Stiftung entschieden

Baukultur ist ein zentrales Merkmal unserer gebauten Umwelt. Sie ist eine Visitenkarte für Städte, Unternehmen, Institutionen und örtliche Gemeinschaften. Hohe Baukultur wird als Standortfaktor wirksam und trägt maßgeblich zur Identifikation mit einem Gebäude, einem Ort oder einer Region bei.

Der Gestaltungspreis Baukultur in Deutschland der Wüstenrot Stiftung zielt darauf, anhand besonders gelungener Beispiele einen Beitrag zur Klärung der wichtigsten Kriterien und Merkmale von Baukultur zu leisten. Insgesamt 615 Einsendungen aus dem gesamten Bundesgebiet schaffen einen aktuellen und breiten Überblick, aus dem sich vielfältige Anregungen für eine breite Erörterung des Verständnisses von Baukultur gewinnen lassen.

Der Gestaltungspreis Baukultur in Deutschland verdeutlicht mit seinen Ergebnissen, dass Baukultur aus vielen und unterschiedlichen privaten, gewerblichen und öffentlichen Bauaufgaben entsteht. Die Bandbreite reicht dabei von der Architekturqualität im Alltag bis zu besonderen Ikonen der Baukunst.

Aus den 615 Einsendungen hat die Jury unter Vorsitz von Prof. Volker Staab in mehreren Sitzungen, zwischen denen die Gebäude in der engeren Wahl vor Ort besichtigt wurden, über die Vergabe der Prämierungen und der Preisgelder in Höhe von insgesamt 53.000 € entschieden.

Der mit 15.000 € dotierte Gestaltungspreis geht an die Architekten Lederer Ragnarsdóttir Oei (Stuttgart) für den Neubau des Hospitalhofes in Stuttgart. Damit würdigt die Jury ein vorbildhaftes Bauen im städtebaulichen Bestand, einen gelungenen Beitrag zur Stadtreparatur und einen Glücksfall für die Baukultur.

Die zweite Preiskategorie bilden vier Auszeichnungen mit je 5 000 €:

- Bayer & Strobel Architekten (Kaiserslautern) für die neue Aussegnungshalle in Ingelheim. Es ist eine Bauaufgabe, die in der Regel nur wenig öffentliche Aufmerksamkeit erhält: Die Erweiterung eines bestehenden Friedhofs in Verbindung mit dem Neubau einer zentralen Aussegnungshalle als Ort des Abschieds und der gemeinsamen Trauer.

- Max Dudler (Berlin) für den Restaurantneubau auf dem Hambacher Schloss in Verbindung mit verschiedenen Maßnahmen zur Erneuerung der Infrastruktur und der Außenanlagen des Hambacher Schlosses. Behutsam wird auf der historischen Anlage unter Einbindung des Entreegebäudes, des Restaurants und eines erweiterten Schlossplatzes eine Ringerschließung entwickelt, die durch Öffnen und Verdichten der Räume den Aufgang zur Schlossruine für den Besucher neu inszeniert.

- Thomas Kröger (Berlin) für Erweiterung und Umbau des Werkhaus Schütze in Gerswalde. Das Gebäude wurde ursprünglich in den 1980er Jahren als Schlosserei und Schmiede mit Verwaltungsbereich einer landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft in der Uckermark errichtet und nun zu einer Tischlerwerkstatt mit Wohn- und Wirtschaftsteil umgebaut.

- schneider + schumacher Planungsgesellschaft mbH (Frankfurt a. M.) mit Schüßler-Plan Ingenieurgesellschaft mbH für den Neubau der Ölhafenbrücke in Raunheim. Die Ölhafenbrücke löst hohe funktionale und technische Anforderungen in Form einer großzügigen Spiralskulptur mit großer Eleganz und hoher symbolischer Strahlkraft.

Neun Anerkennungen (3. Preiskategorie) zu je 2 000 € erhielten:

- Bembé Dellinger Architekten und Stadtplaner GmbH (Greifenberg) für die neue Ortsmitte Wettstetten

- Heinrich Böll (Essen) für den Umbau des Pumpenhaus Bochum zu einem Besucherzentrum mit Gastronomie

- Winfried Brenne Architekten (Berlin) für die denkmalgerechte Sanierung der Akademie der Künste Berlin am Hanseatenweg.

- Glass Kramer Löbbert – Gesellschaft von Architekten mbH mit Prof. U. Graff (Berlin) für den Neubau envihab – Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin in Köln-Porz.

- ifau und Jesko Fezer | Heide & von Beckerath (Berlin) für das Baugruppenprojekt R50 in Berlin

- Kissler + Effgen Architekten (Wiesbaden) für die Umgestaltung der Kirche Sankt Bartholomäus in ein Kolumbarium in Köln

- J. Mayer H. und Partner (Berlin) für die Schaustelle in München

- Molestina Architekten Gesellschaft für Architektur mbH (Köln) für den Umbau der Zollhalle 12 im Rheinauhafen Köln

- schneider + schumacher Planungsgesellschaft mbH (Frankfurt a. M.) für die Erweiterung des Städel Museums in Frankfurt (a. M.).

Kriterien

Bewertet wurden in diesem Wettbewerb in erster Linie:

- Die Signifikanz der Baumaßnahme als Beitrag zur Baukultur

- Die Qualität der architektonischen Gestaltung und des Städtebaus

- Die ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit

- Gegebenenfalls: Der vorbildhafte Umgang mit historischer Bausubstanz.

Aufgrund der außerordentlich hohen Zahl an bemerkenswerten Einsendungen und gelungenen Beiträgen zur Baukultur in Deutschland wurden die Zahl der Prämierungen und die Preissumme des Wettbewerbes erhöht. Die Wüstenrot Stiftung dankt gemeinsam mit den Mitgliedern des Preisgerichtes allen Teilnehmern für ihr Engagement zur Wahrung und Fortführung einer hohen Baukultur in Deutschland.

 

Preisgericht

Prof. Volker Staab, Architekt, Berlin (Vorsitzender)
Prof. Dr. Dr. h.c. Werner Durth, Architekt, Darmstadt
Barbara Ettinger-Brinckmann, Architektin, Kassel Präsidentin der Bundesarchitektenkammer
Prof. Françoise-Hélène Jourda, Architektin, Paris
Philip Kurz, Architekt, Ludwigsburg Geschäftsführer der Wüstenrot Stiftung
Reiner Nagel, Architekt und Stadtplaner, Berlin Vorsitzender der Bundesstiftung Baukultur
Prof. Florian Nagler, Architekt, München

Der alle zwei Jahre bundesweit ausgeschriebene Gestaltungspreis der gemeinnützig tätigen Wüstenrot Stiftung gehört nach der Anzahl der Einsendungen und nach der Höhe der Preissumme zu den bedeutenden Architekturwettbewerben in Deutschland. Mit den regelmäßigen Preisverleihungen zu wechselnden Themen versucht die Wüstenrot Stiftung, wirksame Impulse für die Gestaltung der gebauten Umwelt und die Bewahrung vorhandener Baukultur zu geben und die Politik und Öffentlichkeit auf beispielhafte Problemlösungen aufmerksam zu machen.